#2
Mag. Silvia Nossek

Bezirksvorsteherin
18. Währing, Wien




7000 Bänk:

Wir sind heute bei Frau Mag. Nossek im 18. Wiener Gemeindebezirk, in Währing.
Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen und uns erzählen, warum Sie politisch aktiv geworden sind?


Silvia Nossek:

Hallo, mein Name ist Silvia Nossek, und ich bin seit drei Jahren Bezirksvorsteherin in Währing. Das ist, für diejenigen, die sich in der Wiener Stadtpolitik nicht so auskennen, so eine Art Bezirksbürgermeisterin.

Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich auch tatsächlich hauptberuflich politisch aktiv bin, davor habe ich das 27 Jahre lang ehrenamtlich gemacht.
Und warum ich politisch aktiv geworden bin: Das war schon in den späten 80er Jahren aus dem Gefühl heraus, wir können nicht weitermachen wie bisher, weil wir unsere Erde sonst an die Wand fahren; ich habe ja auch Geschichte studiert, und eine Haupttriebfeder war irgendwann in einem Artikel der Satz: “Wir fragen unsere Eltern und Großeltern heute, was sie damals im Dritten Reich gemacht haben - was werden wir unseren Kindern und Enkelkindern sagen, wenn sie uns einmal fragen, was wir heute gemacht haben?”

Das ist jetzt mit der Klimakrise nochmal um einiges virulenter als vor 30 Jahren - wir müssen an so vielen Ecken gleichzeitig etwas tun, und ich versuche es eben hier im 18. Bezirk.

Als Einstiegsfrage zum Thema Bank:
Wann haben Sie denn zum letzten Mal eine Bank im öffentlichen Raum benutzt?


Das kann ich schwer sagen – die Jahreszeit ist ja gerade nicht so einladend zum Draußen-Hinsetzen.
Aber ich benutze Bänke andauernd: wenn ich zwischendurch meine Tasche abstellen muss, um mein Handy herauszukramen, wenn ich mich mal schnell hinsetzen möchte, um zu telefonieren oder etwas nachzuschauen; wenn ich mit meinen zwei Patchwork-Enkelkindern unterwegs bin und sie die Nase geputzt brauchen oder schnell mal etwas trinken wollen.

Nun haben wir auch gerade unten vor dem Amtshaus ein recht schickes, neu aufgestelltes Bank-Ensemble mit zwei Tischen gesehen und daher vielleicht die nächste Frage:
Wie wichtig sind Ihnen persönlich Begegnungsräume ohne Konsumzwang im öffentlichen Raum?


Mir ist das persönlich sehr wichtig. Es macht ja Stadt aus, dass man sehr viel draußen unterwegs ist: Man geht einkaufen, man geht zur Arbeit, geht in die Schule oder auf die Uni. Stadt lebt davon, dass man wirklich auf der Straße und im öffentlichen Raum unterwegs ist, und nicht davon, dass Menschen von ihrer Wohnung mit dem Aufzug in die Tiefgarage fahren, sich dort ins Auto setzen, meist noch klimatisiert oder im Winter geheizt, mit dem Auto bis zu ihrem Büro oder zum Einkaufszentrum fahren…

Das ist keine Stadt. Das sind Häuser mit Durchzugs-Autobahnen. In den USA kann man das sehr gut besichtigen. Also Stadt lebt vom Leben im öffentlichen Raum und dazu ist es natürlich wichtig, dass man sich einfach mal kurz hinsetzen kann, ohne sofort etwas bestellen und Geld ausgeben zu müssen.

Nun gibt es ja diese BOKU-Studie von 2017, die besagt, dass es in Wien vergleichsweise wenig Sitzgelegenheiten gibt. Könnten Sie aus Ihrer Sicht erklären, warum es in Wien im öffentlichen Raum eher einen Mangel an Begegnungsräumen bzw. auch einfach an Sitzgelegenheiten gibt?

Also warum jetzt ausgerechnet Wien weiß ich nicht. Was man schon sagen kann: Wien ist, was den Umgang mit öffentlichem Raum und was Verkehrspolitik anlangt, wirklich hintendran. Die Regierungsbeteiligung der Grünen hat in den letzten acht Jahren schon einen riesen Fortschritt gebracht, aber die Wahrnehmung und das Bewusstsein sind nach wie vor ziemlich unterentwickelt. Sowohl was die Herausforderung in Richtung Klimakrise anbelangt, die da heißt: Wir müssen umweltfreundliche Mobilität fördern, d.h. Zu-Fuß-Gehen und Radfahren, und das bedeutet einen anderen Umgang mit dem öffentlichen Raum. Aber auch was z. B. selbstständige Mobilität von älteren Menschen und von Kindern angeht: Die brauchen den öffentlichen Raum wenn sie zu Fuß mit Rollator unterwegs sind, aber auch Eltern mit Kinderwagen…

Also manchmal denke ich mir, in der Verkehrspolitik sind hauptsächlich Männer zwischen 30 und 65 tätig, und das ist eben die Bevölkerungsgruppe, die einzige, die überdurchschnittlich viel Auto fährt. Warum das in Wien jetzt so besonders ausgeprägt ist, kann ich leider auch nicht sagen.

Man könnte dem ja entgegnen, dass es beispielsweise in Dänemark auch funktioniert mit einer sehr strikten autofreien Innenstadt, ohne Parkmöglichkeiten und auch mit verkehrsgesperrten Straßen oder Zonen.
Wäre so etwas für Wien auch denkbar?

Es geht vor allem um das Bewusstsein. Ich habe zum Beispiel viele Diskussionen zum Thema „Aufenthaltsqualität“. Wenn man sagt, die Aufenthaltsqualität steigt, wenn es z.B. wie hier (unten vor dem Amtshaus, A.d.R.) diese Stehtische und diese Sitzmöbel gibt, dann sagen die Leute oft, 'mein Gott da ist ja so viel Verkehr, wer wird sich da schon hinsetzten und aufhalten?' Dann muss man erklären, 'Es geht ja nicht darum, dass sich ein Mensch hier hersetzt und stundenlang ein Buch liest. Es geht darum, dass sich ältere Menschen mal kurz hinsetzen oder Kinder rumtollen können.' Wir haben die Sitzmöbel aufgestellt, weil wir hier einen schönen Festsaal haben und einen beliebten Hochzeitsort. Vorher waren die Hochzeitsgesellschaften zwischen Fundbox und alten Blumenschalen völlig verloren, sind einfach herumgestanden und haben nicht einmal gewusst, wo sie ihre leeren Sektgläser abstellen sollen. Da geht es ja nicht um einen stundenlangen Aufenthalt, sondern um die Möglichkeit, kurz zusammenzustehen und anzustoßen. Auch Leute, die hier umsteigen oder einkaufen, können sich aufhalten. Ich hab auch schon Menschen gesehen, die hier kurz mittagessen.

Wie groß ist denn ihr Handlungsspielraum als Bezirksvorsteherin z.B. beim Aufstellen von neuem Mobiliar. Können sie da aktiv tätig werden, oder sind das eher die Magistratsabteilungen, die Vorschläge machen?

Ich kann die Aufstellung von Mobiliar anregen, und dann kommt's halt darauf an, wo dieses Sitzmöbel hin soll und ob es dafür eine Verordnung braucht. Dabei gilt: am Gehsteig ist einfacher als auf der Fahrbahn bzw. in der Parkspur. Im letzteren Fall braucht es eine behördliche Verordnung, das ist dann schon aufwändiger. Aber im Prinzip, wenn es irgendwie von den Gegebenheiten passt, steht dann einem Bankerl nichts im Wege.

Gibt es da einen speziellen Wert, wie breit der Gehsteig sein muss?

Die Stadt Wien sieht als Norm 2m Gehsteigbreite vor. Das heißt, bei der Aufstellung einer Bank müssen 2m Restgehsteig übrig bleiben. Wobei die MA 46 als zuständige Behörde nicht nur die Bank selbst rechnet, sondern auch die Person, die auf der Bank sitzt: Das Minimum ist also 2m Restgehsteig plus Banktiefe plus 50cm für die Beine. Und da wird’s dann schon schwieriger weil, vor allem im gründerzeitlichen Blockrandbebauung die Gehsteigbreiten selten mehr als 2m sind.

Gibt’s da eine Begründung dass das ausgerechnet 2m sind, weil ich denke da an einen Kinderwagen, der ist natürlich keine 2m breit.



Es soll ja auch Begegnung möglich sein, ohne dass man auf die Fahrbahn ausweichen muss. Und natürlich gibt es Ecken, wo die Frequenz nicht wahnsinnig hoch ist, was dann doch wieder ein bisschen Spielraum eröffnet.

Ein zweites Argument gegen Bankerln am Gehsteig ist die Einschränkung für Sehbehinderte und Blinde. Für sie ist häufig die Baufluchtlinie so eine Art Orientierung. Und ohne eigenes Blindenleitsystem ist es schon schwierig, wenn dann entlang dieser Orientierungslinie Hindernisse aufgebaut sind.

Damit hab ich mich aber noch nicht intensiv auseinandergesetzt. Und es funktioniert ja in anderen Städten auch, und da gibt es auch Sehbehinderte und blinde Menschen, und ich glaub nicht, dass diese in Kopenhagen, Rotterdam oder München weniger Anliegen sind.

Im Gespräch mit der MA 19 für Stadtgestaltung und Architektur ist uns immer wieder erzählt worden, dass die Bank schon ein ziemlicher Streitpunkt ist. Es gab auch einen Radiobeitrag in Ö1, „Der Kampf ums Bankerl“, in dem wir die Geschichte einer Bank gehört haben, die entfernt werden musste, weil sich ein paar Anwohner beschwert hatten. Wobei man eben nicht wusste, wie viele Menschen diese Bank eigentlich für gut befanden – eigentlich ein sehr undemokratischer Prozess…

Haben sie dahingehend auch schon Erfahrungen mit Beschwerden?

Prinzipiell ist es schon so, dass eher die Menschen laut werden, die sich beschweren, und nicht die Befürworter. Das ist schon eine Schwierigkeit.

Und wenn man eine neue Bank aufstellt, dann ist das prinzipiell eine Veränderung. Und jede Veränderung ist eine Zumutung – in Wien noch mal mehr (lacht), und da passiert es schon schnell, dass jemand sagt 'das geht doch nicht'.

Wir haben neue Bänke platziert, da war die Sorge von Anrainern, die im Erdgeschoss wohnen und im Sommer ihr Fenster offen haben, dass Jugendliche auf den Bänken lagern und ihre Bierdosen dann in ihre Fenster werfen. Bei anderen hatten manche Sorge, dass jemand einsteigen könnte, wenn sie zu nahe an der Hauswand stehen. Oder in der Währinger Villengegend ein Bankerl zu nahe am, wo man das dann als Einstiegseinladung sehen könnte. Und es gibt immer die Sorge, dass Obdachlose die Bänke nutzen, um darauf zu campieren.

Ich will diese Sorgen gar nicht klein reden, die sind ja durchaus nachvollziehbar … und gleichzeitig leben wir eben in einer Stadt, und DAS heißt eben auch 'Leben'. Was wichtig ist: Wenn irgendwo z.B. neue Bänke aufgestellt werden, schenken wir diesem Bereich besondere Aufmerksamkeit und schauen, wie sich das bewährt. Wir haben ein Team für Sozialarbeit im öffentlichen Raum – dieses Team kann mit AnrainerInnen sprechen und BankbenutzerInnen und Geschäftsleuten, und das eine oder andere schlichten und lösen. Das hat bisher eigentlich immer ganz gut funktioniert.


Also lässt sich sagen, dass man die meisten Dinge erstmal versucht zwischenmenschlich zu lösen?

Ja, genau.

Eine andere Frage: Wenn sie jetzt, ohne rechtliche Einschränkungen, einfach ein Bankerl aufstellen dürften, wo würden sie es aufstellen?

(überlegt länger)

Also einen Ort, wo das Bankerl eine wirkliche Bereicherung sein könnte?

(überlegt weiter)
Ich muss jetzt wirklich überlegen, weil wir haben gerade so viele neue Bänke aufgestellt haben. (lacht)

Wo haben sie diese Bänke denn aufgestellt?

Da tue ich mir jetzt leichter (alle lachen). Also die einen stehen entlang der Währinger Straße. Da gehen unglaublich viele Menschen einkaufen, da gab es kaum Bänke, und wir bekommen ganz viele positive Rückmeldungen: Jetzt kann ich als ältere Frau endlich meine Tasche kurz abstellen und rasten, jetzt kann ich mich endlich mal als Eltern gegenüber meinem Kind im Kinderwagen hinsetzen und ihm was zu trinken geben. Es kamen auch Rückmeldungen - unabhängig voneinander – von zwei Großvätern, die diesen Einzelsitz gegenüber vom Spielwarengeschäft großartig finden: Jetzt könnten sie endlich in Ruhe Zeitung lesen, bis die Enkelkinder mit der Großmutter im Geschäft die Spielsachen ausgesucht hätten. So ist das in unserer Geschäftsstraße (lächelt).

Wir haben vor kurzem auch einen Schulvorplatz neu und vor allem autofrei gestaltet. Es ist wirklich herzerwärmend, wenn man sieht, wie die Eltern am Nachmittag ihre Kinder aus der Nachmittagsbetreuung abholen, auf der ‚Langen Bank‘ sitzen und plaudern und warten, und dann die Kinder heraustoben und den neuen Platz in Besitz nehmen.

Hier würde ich dann gerade noch mal konkret einhaken. Ich habe ihnen ja von der Initiative meines Freundes auch hier im 18. Bezirk erzählt, der eine Bank vor sein Haus gestellt hat und ganz fasziniert davon war, was das mit dem Haus als Gemeinschaft gemacht hat. Er hat sich auch darauf bezogen, dass es in der Innenstadt, also im 1. oder 6., 7. Bezirk schon recht viele Sitzmöglichkeiten gibt, aber speziell in Wohnbezirken wie im 18., auch weil er hier selbst wohnt, könnte er sich sehr gut mehr vorstellen. Vor allem Bänke vor Wohnhäusern. Dort gibt es ja oft diese Grünstreifen, und das müsste ja nicht die Stadt selber machen – wäre dafür eine Kampagne vorstellbar? Dass man einfach Anwohner ermutigt? Oder dass man ein kleines Budget zur Verfügung stellt, oder sagt: Bis zu einem bestimmten Betrag können Anwohner eine Rechnungen einreichen, wenn sie eine Bank vor ihr Haus bauen? Kann man in diese Richtung denken?

Ja, auf jeden Fall. Es gibt ja schon solche Initiativen – zum Beispiel die Grätzloasen. Diese Initiative der Stadt, engagierte Bewohner*innen dabei zu unterstützen, im öffentlichen Raum Möglichkeiten für Begegnung zu schaffen – gibt es ja schon länger. Wie klar war, dass das mit der grünen Bezirksvorstehung jetzt auch vom Bezirk positiv gesehen wird, hatten wir auf einmal 6 oder 7 Grätzloasen in Währing. Zum Teil eben mit öffentlicher Unterstützung, weil es diese Förderung gibt. Zum Teil aber auch aus privater Initiative, die von uns nur die Zustimmung gebraucht hat. Manchmal kam die Frage: „Können Sie bitte mit der Behörde klären, ob das geht?“ Nicht alles hat auf Anhieb funktioniert, aber mit ein bissl Adaption, und ein bissl Bürger und Behörden zusammenbringen, geht da schon recht viel.

Ich kommuniziere dieses Thema mittlerweile sehr stark, weil es mir ein Anliegen ist: In Währing leben viele junge Familien und auch viele ältere Menschen. Immer wieder melden sich ältere Frauen, dass sie mehr Orte zum Hinsetzen brauchen, weil sie es sonst nicht mehr zum Einkaufen schaffen. Und dann schauen wir uns das an und wenn es passt, dann machen wir das auch.

Also wo immer es da Initiative gibt: Ich hätte Lust, und ich wäre da auch bereit, dass der Bezirk etwas dazuzahlt. Also ich könnte mir schon gut vorstellen, eine Kampagne daraus zu machen oder einen Aufruf…

... ja das wäre das ja dann, eben das umzudrehen sozusagen.

Ja.
Gut (lacht)

Gibt es sonst noch weiter Möglichkeiten wie man Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner aktiv in die Stadtgestaltung einbeziehen kann – da haben wir jetzt mit der Grätzloase eine Möglichkeit gehört, gibt’s da noch andere Möglichkeiten?

Wir haben vor eineinhalb Jahren – auch hier in Währing – einen Prozess der Lokalen Agenda 21 gestartet. Dieses Programm wurde 1992 in Rio de Janeiro anlässlich der ersten Klimakonferenz von der UNO ins Leben gerufen. Die Idee war, dass wir die Klimaproblematik nicht lösen, wenn wir nur auf Staatenebenen miteinander verhandeln, sondern dass es auch Initiativen von unten braucht. Und dann wurde eben dieses Programm ins Leben gerufen: 'Lokale Agenda 21' – 'Lokal' weil 'von unten' und '21' wegen '21. Jahrhundert'.

Wien hat schon in den 1990er Jahren damit begonnen und Bezirke, die so einen Prozess der Lokalen Agenda gestartet haben, organisatorisch und finanziell unterstützt. Den 18. (Bezirk) hat das lange nicht interessiert, und erst mit dem Wechsel zu einer grünen Bezirksvorstehung gibt es nun auch in Währing die Lokale Agenda.

Die Idee der Agenda ist es, dass sich Gruppen von Bürgern und Bürgerinnen finden, die sich zu einem bestimmten Thema für eine nachhaltige Bezirksentwicklung engagieren. In Währing gibt es mittlerweile acht Gruppen, zum Beispiel „1000 Blätter mehr“ – die Gruppe setzt sich für Begrünung im Öffentlichen Raum ein.

Eine andere Gruppe, „Tu Was“, will Menschen motivieren, sich mehr zu bewegen, niederschwellig, im öffentlichen Raum, also praktisch vor der Haustüre –die wollen von Nordic Walking, Spaziergängen im Bezirk, über Laufrouten und Volleyball in den Parkanlagen, usw. organisieren.

Es gibt auch eine Gruppe zu Mobilität, deren Leitbild auch viel mit dem öffentlichen Raum zu tun hat. Die Agenda ist also ein ganz wichtiger Rahmen, die Gruppen bekommen fachliche und organisatorische Unterstützung. Und unter dem Titel der Agenda können sie auch Magistratsabteilungen einladen und deren Expertise abfragen.

Sind das offene Arbeitsgruppen?

Ja, Interessierte können jederzeit dazukommen. Die Gruppentreffen sind alle im Internet angekündigt, es sind die Gruppen beschrieben mit ihrem Leitbild, und es sind explizit alle eingeladen mit dazuzukommen.

Und ist das Interesse groß?

Bei der Ausschreibung für das Agenda-Team letztes Jahr haben sich mehrere Büros beworben, die bereits Erfahrung mit Agendaprozessen hatten. Alle haben erzählt, dass es am Anfang eine gewisse Anlaufphase braucht, und man dann nach einem Jahr vielleicht drei oder vier Gruppen hat. Dann muss man da noch nachlegen. Ich hab immer gesagt, dass ich mir da in Währing keine Sorgen mache. Wir haben gerade die achte Agendagruppe anerkannt, und das Team ist mittlerweile an seiner Kapazitätsgrenze. Ich hab immer gesagt, in Währing sind so viel engagierte Menschen – wenn man es schafft, denen einen Rahmen zu geben und sie zu ermutigen, dann passiert ziemlich viel und das ist jetzt tatsächlich der Fall.

Schön. Na wenn’s wieder Platz für eine Gruppe gibt, dann könnten wir eine für Sitzgelegenheiten initiieren (lacht)

(ernst) Ja, auf jeden Fall. Also Agenda ist da sicherlich eine gute Adresse. In Währing sowieso, aber auch in den anderen Agendabezirken. Ich kann gerne den Kontakt zur LA21 in Wien herstellen.

Gerne.

Ein großes Thema, zu dem ich mich gerne in anderen Städten umschauen möchte, ist die Flexibilität von Sitzmöbeln. Bei uns im Türkenschanzpark stehen beispielsweise noch diese alten gusseisernen Bänke, die, weil sie so schwer sind, nicht verankert werden müssen. Die trägt man nicht so leicht weg. Was aber möglich ist, und auch immer wieder passiert: Wenn Jugendliche eine Party feiern am Abend, – dort ist es angenehm, weil es ist im Sommer kühl ist und keine Anrainer rundherum – dann schnappen sie sich die Bankerl, tragen sie in irgendwelche Wiesen, können sie dort so gruppieren, wie sie möchten. Ich finde das großartig, weil sie sich so den Ort aneignen. Die MA 42, die Stadtgärten, finden das nicht ganz so großartig, weil sie die Bänke dann wieder zurückstellen müssen. Ein/zwei Mal im Jahr landet so eine Bank dann auch mal im Teich, was dann natürlich auch nicht so lustig ist, das verstehe ich schon, aber ich leiste hinhaltenden Widerstand dagegen, dass die Bänke fix verankert werden. Weil das einfach Nutzungsmöglichkeiten einschränkt.

Irgendwie ist das wie so ein Credo: Man muss die Sitzmöbel anschrauben, festmachen, sonst sind sie weg oder stehen irgendwo im Weg oder liegen in Teichen – und gleichzeitig nimmt das so viele Möglichkeiten, weil manchmal will man sich halt auch gegenübersitzen oder auch mal allein sein. Wir haben gerade eine neue Platzgestaltung in Planung, und da ist das ein großes Thema. Weil der Platz ist klein, und es wäre blöd wenn man das dort fix machen muss. Da möchte ich schon schauen: Wie machen das andere (Städte), z.B. wie bei den 'Floating chairs' in Paris, das finde ich schon sehr spannend.

Ja, da gibt es auch eine schöne Geschichte vom Prater. Dort gibt es eine Holzkonstruktion mit Tisch und Bank, die sehr schwer ist. Und doch wandert sie immer je nach Sonnenlicht und Tageszeit. Sie verlässt den Prater aber nicht – dazu wäre sie doch zu schwer. Wir hatten schon die Idee, diesen Bewegungsprozess zu dokumentieren… Also wenn die fest verankert wären, das wäre schon blöd, wenn die Sonne scheint und man dann mit dem Rücken zur Sonne da sitzt.

Ja, oder wenn man mit dem Rücken zueinander sitzt. Dann stehen sie zur falschen Zeit in der prallen Sonne. Im Frühling ist es ja fein, wenn sie dort stehen, im Hochsommer halt nicht. (lacht)

Was auch ein Thema ist: Was braucht man für Sitzmöbel bei älteren Menschen, die nicht mehr so leicht aufstehen können. Für die Währinger Straße haben wir beispielsweise letztlich mit zwei Modellen gearbeitet: die einen, ganz traditionell mit Armlehne. Die schauen aus wie eine Bank, die fühlen sich an wie eine Bank, und ich kann mich leicht hinsetzen und aufstehen, wenn ich nicht mehr so gut unterwegs bin. Und dann, weil ich vom Jugendparlament immer Anträge bekomme, für coolere Sitzmöbel, Bänke, wo man sich gegenüber sitzen kann, bei denen man die Füße hochlegen kann, die ein bisschen bunter und stylischer ausschauen.

Also es ist immer ein großes Thema wer nutzt es, wie nutzt man es. Das Alt – Jung Thema.

Danke für das Interview.

Gerne.