Warum 7000 Bänke?

↑ Poster: 7000 in Zahlen
↑ Bankzertifikat


Wie der Titel schon klar macht, hat 7000 Bänke Großes vor. 7000 ist hier zunächst einmal eine symbolische Größe, vor allem wenn man beachtet, dass es in Wien im öffentlichen Raum derzeit ca. 10000 Bänke außerhalb von Parks gibt, doch zeigt es, dass das Projekt große Ambitionen hat.

Symbol ist auch das Objekt Bank. Es wird am besten gemeinsam genutzt und steht meist in einem Bereich, der vom dänischen Architekt und vordenkenden Stadtplanner, Jan Gehl, einmal als das Wohnzimmer der Stadt beschrieben wurde und damit vielleicht das Symbolobjekt für Teilhabe am öffentlichen Raum schlechthin ist.

Doch da frägt sich natürlich immernoch: warum denn so viele Bänke?

Aus eigener Erfahrung und denen von Freunden und Bekannten, wissen wir, dass es in Wien in vielen Straßen kaum oder gar keine Möglichkeiten des Verweilens gibt. Oftmals gibt es nur an Bushaltestellen, in Cafés oder in Parkanlagen die Möglichkeit, sich zu setzen.
Das unterstreicht auch eine aktuelle Studie der Universität für Bodenkultur in Wien, die vier große europäische Stadte in zehn verschiedenen Straßenabschnitten quer durch die Stadt untersucht hat.
Dabei kam heraus, dass in Wien nur zwei von zehn Straßen überhaupt Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang haben, deutlich weniger als in allen anderen untersuchten Städten.
Gerade in Wohnstraßen und Straßen fern vom städtischen Zentrum ist der öffentliche Raum schlicht unterentwickelt.
Dies bestätigte uns, in einem unserer ersten Bankgespräche, auch die Grünenpolitikerin, Mag. Silvia Nossek, Bezirksvorsteherin des 18. Wiener Bezirks, Währing, wo im Unterschied zu vielen anderen Stadteilen schon Konsequenzen gezogen wurden und zusammen mit Bürgern und Bürgerinnen mehrer Projekte für einen positiven Wandel des öffentlichen Raumes angestoßen wurden.

Der Mangel an Sitzgelegenheiten ist gerade für Menschen mit körperlichen Einschrenkungen ein großes Problem, wie wir aus mehrern Interviews mit Betroffenen erfahren haben. So gibt es nicht wenige ältere und körperlich eingeschränkte Menschen, die sich teilweise ohne fremde Hilfe gar nicht mehr vor die Tür trauen, aus Angst, sich nicht sicher fortbewegen zu können.

Aber auch ganz generell ist dieser Zustand, etwas überspitzt gesagt, eine “Bank-rotterklärung” an den gemeinsam ge- und belebten öffentlichen Raum. Denn nur dort wo man auch gut und gerne verweilen kann, wird man das auch tun. Wenn es also, außer in Parkanlagen, nur sehr wenige Möglichkeiten zum Verweilen und Plaudern gibt, raubt das der Öffentlichkeit viel an Lebensqualität.

Deswegen wollen wir gemeinsam mit Initiativen, Vereinen, Gestaltern und allen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Wien, die Interesse an einem positiven Stadtwandel haben, tätig werden und verschiedenste Bänke und somit Sitzgelegenheiten für den öffentlichen und halb-öffentlichen Raum (wie z.B. in Hinterhöfen oder vor Hauseingängen) schaffen.


7000 Bänke als
Soziale Skulptur



“Jeder Mensch ist ein Künstler.” Dieses Zitat und auch die Referenz im Titel dieses Projektes stammen, zumindestens teilweise, vom deutschen Künstler, Joseph Beuys, der in den 80er Jahren mit seiner Aktion 7000 Eichen eindrucksvoll seine bis heute prägende Idee einer Sozialen Skulptur versinnbildlicht hat. Dabei sammelte Beuys zusammen mit Bürgern und Bürgerinnen der Stadt Kassel über mehrere Jahre sehr viel Geld und pflanzte insgesamt 7000 Eichen, um die Stadt gemeinsam zu begrünen und damit lebenswerter zu machen, oder wie es Beuys ausdrückte: “Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung”.

“Jeder Mensch ist ein Bänker.”
Diese These stammt von uns. Denn wir alle nutzen sie und sprichwörtlich jede und jeder kann eine Bank bauen und aufstellen, zumindest mit der Hilfe von einigen Mitstreitern. 

Das zeigen uns auch Beispiele, wie die Initiative von Noah Riemer, der uns in einem weiteren Bankgespräch berichtete, wie eine Bank, die er gebaut und aufgestellt hatte, eine ganze Hausgemeinschat begründet und möglich gemacht hat.
Auch Aktionen, wie die kleine Bank-Intervention von Gastronom Wolfang Maringer zeigen, wie man mit dem einfachen Aufstellen einer Bank ohne Konsumzwang kleine Oasen des kurzen Verweilens schaffen kann.


Die Bank als Streitgut

Politik und Verwaltung treffen bei ihren Bemühungen, mehr für den öffentlichen Raum zu tun, gerade durch Sitzgelegenheiten, immer wieder auf menschliche Hindernisse. Denn nicht jede und jeder möchte gerne eine Bank neben ihrem oder seinem Haus stehen haben. Es könnten ja Obdachlose darauf schlafen, Junkies Probleme machen oder Bier trinkende Jugendliche lärmen.

Das bestätigt uns auch das Gespräch mit einem Mitarbeiter der Magistratsabteilung 19 – Architektur und Stadtgestaltung, ebenso wie beispielsweise der im Ö1 gehörte Radiobeitrag mit dem Titel “Kampf ums Bankerl”.

Doch gerade weil die Bank sinnbildlich einen Ort der Begegnung symbolisiert, soll dieser Aufruf zum Abbau von Ängsten beitragen und eine respektvolle Streitkultur, die wichtiger Bestandteil von öffentlichem Leben ist, fördern.

Mit diesen Worten: auf zu 7000!